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Einleitung - Kuriosa

Foto aus der Multimedia-CD-ROM "Mechanik der Poesie – Besaitete Tasteninstrumente des 15.-19- Jahrhunderts" 
Foto aus der Multimedia-CD-ROM
"Mechanik der Poesie – Besaitete Tasteninstrumente des 15.-19- Jahrhunderts"

Die hier zusammengestellten Instrumente haben allesamt etwas gemeinsam: die Faszination des Ungewöhnlichen, aber auch des letztlichen Scheiterns an ungelösten (und manchmal unlösbar scheinenden) Problemen bei der Erfüllung jahrhundertealter Wunschträume: von einem Tasteninstrument mit gestrichenen Saiten, einem tragbaren Klavier oder der Idee, alle anderen Instrumentenkonstruktionen mit einer Klaviatur zu versehen. Zu Zeiten, als man glaubte, alle Probleme mit technischen Mitteln lösen zu können (ob auf dem Sektor der Musikinstrumente oder anderswo), stieß man hier an Grenzen des technisch Machbaren – und konnte sie trotz aller Lösungsversuche doch nur scheinbar überschreiten. Alle diese Erfindungen – und viele davon wurden gleich mehrere Male „erfunden“ – blieben erfolglos.

Dies wirft zwangsläufig die Frage nach dem „Warum?“ auf. Warum haben sich Klavierharfe, Klaviaturglasharmonika, Orphika oder das Geigenwerk nicht durchsetzen können? Lag es an technischer Unzuverlässigkeit, mangelnder Nachfrage von Musikern oder Komponisten, dem Desinteresse des Publikums? Und diese Fragestellungen müssen geradezu zwangsläufig auf diejenigen Konstruktionen erweitert werden, die sich dann doch durchgesetzt und bewährt haben: Warum war Cristoforis „Gravecembalo col piano e forte“ ein anderes Schicksal beschieden als dem „Dulce melos“ zu Zeiten des Arnaut von Zwolle um etwa 1440, beides Tasteninstrumente mit angeschlagenen Saiten; doch das „Dulce melos“ war schon kurz nach 1500 so gründlich vergessen, dass keine Nachricht darüber in späteren Schriften mehr erscheint, aber Cristoforis Pianoforte wurde eine Erfolgsgeschichte sondersgleichen – oder etwa (beinahe) nicht?

Viele Zufallsereignisse tragen zu Erfolgen wie Misserfolgen bei; manches Gelingen oder auch Scheitern erscheint im Nachhinein zwingend und leicht nachvollziehbar, gleichsam als ob es sich die Erfinder hätten „vorher denken“ können. Manchmal erscheinen die Ausgangsideen schon geradezu absurd, so dass man sich wundern mag, wieso sich jemand überhaupt all die Mühe machte, all die Energie, Zeit, Geld und Leidenschaft in etwas zu stecken, was zum Misserfolg verurteilt erscheint. Und doch scheint hie und da nur ein kleines Quantum zum Erfolg gefehlt zu haben: etwas mehr Interesse des Konzertpublikums vielleicht, eine etwas weniger anfällige mechanische Konstruktion oder gelegentlich auch etwas weniger Geheimniskrämerei der Erfinder.

Die hier zu sehenden „Fehlkonstruktionen“ warten seit Jahrhunderten auf „ihren Cristofori“. Und am Ende all dieser Kapitel könnte wohl stehen: „Fortsetzung folgt (?)“

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