Zur Startseite

Einleitung - Fortepiano bis ca. 1800

Foto aus der Multimedia-CD-ROM "Mechanik der Poesie – Besaitete Tasteninstrumente des 15.-19- Jahrhunderts" 
Foto aus der Multimedia-CD-ROM
"Mechanik der Poesie – Besaitete Tasteninstrumente des 15.-19- Jahrhunderts"

Das Hammerklavier begann seine Laufbahn als ein „Cembalo mit Hämmern.“ Der Klang des Instruments besaß zwar den Vorzug, dynamisch vom Spieler durch die Kraft des Anschlags beeinflussbar zu sein, doch wurde dies offenbar in den ersten Jahrzehnten seiner Existenz keineswegs als Vorzug, sondern eher als Nachteil empfunden.

Die Spieler waren zunächst das Anschlagsgefühl des Cembalos gewöhnt, indem der Spieler beim Niederdrücken der Taste einen gewissen Widerstand zu überwinden hatte, der dann beim Anzupfen der Saite sich plötzlich und spürbar löste. Das Pianoforte besaß einen vergleichbaren „Druckpunkt“ nicht in diesem Maße – stattdessen mußte der Spieler beim Anschlag den Hammer in Schwung versetzen, was vom Moment des Aufsetzens des Fingers auf die Taste mehr Kraft (spürbar als Widerstand gegen den Finger) erforderte; zudem fehlte das „Verspüren“ des Kontakts des Plektrums an der Saite. Ein weiteres Problem entstand beim längeren Niederdrücken der Taste: wenn der Hammer mit zuviel Energie von der Saite zurückprallte, konnte es passieren, daß er bei einigen älteren Mechaniktypen nicht liegenblieb, sondern sprang und die Saite erneut anschlug (wie das „Klingeln“ einer elektromechanischen Türglocke). Die Konstruktion einer zuverlässigen „Auslösung“, um dies zu verhindern, nahm etliche Jahrzehnte in Anspruch.

So stand das frühe Pianoforte zunächst weniger „in Konkurrenz“ zum Cembalo, sondern zunächst zu demjenigen anderen Tasteninstrument mit ähnlichem Potential des differenzierten dynamischen Spiels: dem Clavichord. Als Johann Christian Bach erstmalig in London öffentlich auf einem Pianoforte musizierte, tat er das nicht auf einem Flügel, sondern einem Tafelklavier! Das Tafelklavier stellte offensichtlich im Denken der Zeit eine Art Clavichord dar, mit dem man ausser zu üben nunmehr auch vor Publikum musizieren konnte kraft seiner größeren „Basislautstärke.“ Doch bald setzte ein wahrer „Erfindungswettlauf“ auf dem Gebiet der flügelförmigen Instrumente ein, um möglichst alle geschätzten Eigenschaften von Cembalo, Clavichord und Pianoforte in einem Instrument zu vereinen: Cembali bekamen Schwelljalousien, Pianoforte und Cembalo wurden in Kombinationsinstrumenten vereint, der Tangentenflügel mit seinem spezifischen Klang „dazwischen“ entstand, klangstärkere Clavichordmodelle wurden entwickelt ... und die Komposition von Klaviermusik erreichte eine Blütezeit wie selten zuvor und danach.

© Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde 2010 | info@greifenberger-institut.de